Wie man die verschiedenen Aspekte einer Business Capability misst

Sep 2, 2022
Verfasst von
Sven van Dijk
Sven van Dijk
Marc Lankhorst
Marc Lankhorst

Wie man die verschiedenen Aspekte einer Business Capability misst

Wie wir in unserem vorigen Blogbeitrag über die Erfassung von Capabilities erläutert haben, müssen drei Dimensionen definiert und gemessen werden, um Capabilities effektiv zu erfassen und die Methode des Capability-Based Planning anwenden zu können. Diese Dimensionen sind folgende: Strategische Bedeutung, Reifegrad und Anpassungsfähigkeit von Capabilities. Einfach ausgedrückt: Die erste Dimension ermöglicht es Ihnen, die für Ihr Unternehmen wichtigsten Capabilities zu priorisieren; die zweite legt den Fokus auf die Bereiche, in denen Verbesserungen erforderlich sind, weil der derzeitige Reifegrad zu niedrig ist; und die dritte betrachtet, wie einfach oder schwierig es sein wird, diese Verbesserungen vorzunehmen.


Rückblick: Die drei Dimensionen, die uns bei der Bewertung der Business-Capabilities helfen, sind:

  • Strategische Bedeutung: Wie relevant oder entscheidend ist eine Capability für den Erfolg des Unternehmens? Dies wird anhand ihres Beitrags zur Umsetzung der Strategie, zum Geschäfts- oder Betriebsmodell und zu den künftigen Möglichkeiten, die sie bietet, bestimmt.
  • Reifegrad von Capabilities: Wie gut sind Sie in der Lage, diese Capability auszuüben? Dies wird anhand der bestimmenden Kriterien Menschen, Prozesse, Technologie und Information gemessen.
  • Anpassungsfähigkeit: Wie leicht oder schwer wäre es, diese Capability zu verändern? Dies wird anhand der Anpassungsfähigkeit an das Umfeld, an die Bedürfnisse der Kunden und an Veränderungen der Nachfrage beurteilt.

Lesen Sie mehr in unserem Blogbeitrag: Ein Ansatz zur Erfassung von Business-Capabilities


Wie misst man die Dimensionen?

Die meisten gängigen Modelle zur Bewertung von Capabilities verwenden eine fünfstufige Skala, wahrscheinlich in Anlehnung an das CMMI-Reifegradmodell für die Softwareentwicklung:

  1. Durchgeführt
  2. Verwaltet
  3. Definiert
  4. Quantitativ verwaltet
  5. Optimierend

Für jede Stufe gibt es eine Definition, z.B. bedeutet Stufe 4, dass Ihre Capabilities oder Prozesse mit quantitativen (z.B. statistischen) Techniken gemessen werden, wobei Qualitäts- und Leistungsziele als Kriterien für deren Management verwendet werden. Bei einer detaillierten Bewertung können verschiedene Aspekte der einzelnen Capabilities beurteilt und die Ergebnisse quantitativ ausgewertet werden. Dies eignet sich, wenn Sie eine relativ kleine Anzahl von Capabilities nach bereichsspezifischen Aspekten bewerten wollen. Bei der Bewertung von Softwarentwicklungs-Capabilities oder -prozessen können Sie beispielsweise Softwarefehler, Nachbesserungen, Nutzerzufriedenheit und viele andere Metriken als Input betrachten.

Eine breit angelegte, möglicherweise unternehmensweite Bewertung der Capabilities, wie z. B. eine detaillierte Analyse, ist oft mit zu viel Aufwand verbunden. Alternativ könnten Sie Experten in einen Raum setzen und sie bitten, jede Capability auf einer Skala von von 1 bis 5 einzustufen. Dies würde jedoch zu sehr von der persönlichen Meinung abhängen und gibt den Experten keine Grundlage für ihre Bewertung.

Unser Ansatz zielt darauf ab, einen Mittelweg zu finden. Wir lassen eine solche Gruppe von Experten ihre Zustimmung zu einer Reihe von Aussagen zu jeder Capability auf einer 5-Punkte-Likert-Skala von „stimme überhaupt nicht zu“ bis „stimme voll zu“ bewerten. Indem wir die Anzahl der Aussagen pro Aspekt und Dimension begrenzen, halten wir den erforderlichen Aufwand in einem überschaubaren Rahmen. Eine Prozessdimension für den Reifegrad einer Capability umfasst zum Beispiel Aussagen wie:

  • „Jeder Prozess hat einen klaren Verantwortlichen, der für die Leistung verantwortlich ist.“
  • „Die Prozesse werden anhand von Erfolgsmessungen überwacht, über die regelmäßig Bericht erstattet wird.“
  • „Die Prozesse für die Capability sind vollständig optimiert und effizient.“

Für jede Aussage wird die durchschnittliche Punktzahl der Experten in das Bewertungsmodell eingegeben. Die sich daraus ergebenden Punktzahlen für eine Reihe von Aussagen werden gemittelt und ergeben einen Wert für diese Dimension. Die Werte für jede Dimension können wiederum gemittelt werden, um den Gesamtreifegrad der Capability zu berechnen.

Bewertung der Capabilities mit Bizzdesign Horizzon

Mit der Enterprise Architecture-Plattform Horizzon von Bizzdesign können Sie diese Bewertungsergebnisse mithilfe von Feldern in Datenblöcken eingeben. Mit berechneten Feldern können Sie einen Formelausdruck definieren, um den Durchschnitt über die Felder für jede Aussage zu berechnen, und einen weiteren, um den durchschnittlichen Reifegrad insgesamt zu berechnen. Sie können auch einen gewichteten Mittelwert bilden, wenn eine Dimension wichtiger ist als eine andere.

Die sich daraus ergebenden Daten können in Horizzon auf verschiedene Weise dargestellt werden, z. B. als Heatmap Ihrer Capability-Map, die Ihnen hilft, Probleme wie unterdurchschnittliche Capabilities zu identifizieren, die die Aufmerksamkeit des Managements und eine Investitionspriorität erfordern. In einem anderen Blogbeitrag über das Verhältnis von Capabilities zu Ihrer Strategie und Ihrem Geschäftsmodell haben wir bereits ein Beispiel für eine solche Heatmap gezeigt, in der die strategische Bedeutung von Capabilities zusammen mit ihrem Investitionsniveau dargestellt wird. Ähnliche Ansichten können natürlich auch für Reifegrad und Anpassungsfähigkeit erstellt werden.

Abbildung 1: Eine Heatmap der Capabilities mit der Höhe der IT-Investitionen (Farbe) und der strategischen Bedeutung (Beschriftung)

Weitere Analyse

Die Analyse dieser Daten hilft Ihnen, die Schwachstellen zu ermitteln, bei denen der Unterschied zwischen dem aktuellen und dem angestrebten Stand am größten ist. In der Regel müssen zuerst die strategisch wichtigen Capablilities mit geringem Reifegrad untersucht werden. Die Aspekte, bei denen der Unterschied zwischen dem aktuellen und dem gewünschten Reifegrad am größten ist, sollten eingehend analysiert werden.

Gleichzeitig stellen Sie vielleicht fest, dass eine solche Capability nicht sehr anpassungsfähig ist. Möglicherweise müssen Sie zunächst in die Verbesserung dieser Anpassungsfähigkeit investieren, da sonstige Änderungen zu schwierig, zeitaufwändig und kostspielig sind. Dies ist das typische Worst-Case-Szenario: eine Capability, die sehr starr ist, weil sie in hohem Maße von veralteter Software abhängt, die schwer zu ändern ist, die aber für den Betrieb Ihres Unternehmens von zentraler Bedeutung ist und dringend verbessert werden muss, um mit der Konkurrenz und den Kundenanforderungen Schritt zu halten.

Diese Daten können auf vielfältige Weise zur Unterstützung der unternehmerischen Entscheidungsfindung genutzt werden. Beim Capability-Based Planning wollen Sie beispielsweise Verbesserungen der Capabilities auf die effektivste Art und Weise planen, indem Sie dort investieren, wo und wann es wichtig ist. Veränderungsinitiativen könnten nach den von ihnen erzielten Verbesserungen der Capabilities und dem konkreten Beitrag dieser zu strategischen Zielen und anderen KPIs bewertet werden. Auf dieser Grundlage werden sie vergleichbar und können in eine Rangfolge gebracht werden. Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist die Betrachtung der Verzögerungskosten für jede Initiative, die wiederum als Input für die Priorisierung der Change-Initiativen nach dem Prinzip des „Weighted Shortest Job First“ dienen.

Die Bewertung und Verbesserung von Capabilities kann in großen, geografisch weit verstreuten Unternehmen mit mehreren Umsetzungsformen (Implementierungen) derselben Capability komplizierter werden. Um die Entwicklung Ihrer Capabilities (oder vielmehr dieser Umsetzungsformen) zu beschreiben, modellieren Sie üblicherweise Capability-Inkremente.

Auf die Modellierung von Capabilities, Inkrementen und Implementierungen in der ArchiMate-Sprache werden wir in einem zukünftigen Blogbeitrag näher eingehen.